
Hayma Neunerlei und Hayma Treibkraft
Hayma Neunerlei ist ein Pfefferkuchengewürz, auf der Packung auch Lebkuchengewürz genannt. Hayma Treibkraft ist laut Verpackung ein „Leb- und Pfefferkuchen Triebmittel“. „Treibkraft“ ist dabei der Produktname; die üblichen Fachwörter dafür sind Triebmittel oder Backtriebmittel. Auf dieser Seite findest du, was hinter den Namen und den Zutaten steckt.
Was bedeutet Neunerlei?
„Neunerlei“ ist ein Zahlwort wie dreierlei oder achterlei und bedeutet laut Duden: von neun verschiedenen Arten oder Sorten.
Unter dem Namen Neunerlei-Gewürz ist eine Gewürzmischung für Lebkuchen und Pfefferkuchen aus neun Gewürzen überliefert. Welche neun es sind, ist nicht festgelegt.
Auf der Hayma-Packung stehen neun Zutaten: Pfeffer (weiß), Koriander, Anis, Nelken, Ingwer, Muskat, Zimt, Zitronen- und Orangenschalen. Laut Verpackung sind es „besonders schonend kalt gemahlene Zutaten“.
Eine Marke mit Geschichte
Laut Preußischer Allgemeiner Zeitung (2022) und Lippischer Landes-Zeitung (2021) ist Hayma eine alte Marke für Pfefferkuchengewürz mit Wurzeln in Schlesien. Beide Zeitungen berichten außerdem, dass die Gewürzfirma J. Staesz jun. 1982 die Hayma-Werke übernahm und die Pfefferkuchengewürze von Hayma und Staesz danach einige Jahre aus derselben Produktion kamen.
Hirschhornsalz: warum es in flaches Gebäck gehört
In der Zutatenliste von Hayma Treibkraft steht neben Natriumhydrogencarbonat und Kaliumhydrogentartrat auch Hirschhornsalz. Hirschhornsalz ist ein Backtriebmittel und besteht hauptsächlich aus Ammoniumhydrogencarbonat. Beim Erhitzen zerfällt es in Ammoniak, Kohlendioxid und Wasserdampf; diese Gase lockern den Teig.
Das Ammoniak muss dabei entweichen können. Deshalb eignet sich Hirschhornsalz vor allem für flaches Gebäck wie Lebkuchen, Printen, Spekulatius und Plätzchen, aus dem das Ammoniak beim Backen verfliegt. In hohem Gebäck wie Kuchen bliebe es zurück und würde Geschmack und Farbe beeinträchtigen.
Hirschhornsalz und Pottasche sind die klassischen Triebmittel für Lebkuchen; heute werden sie oft durch Backpulver oder Natron ersetzt. Ein Beutel Hayma Treibkraft reicht laut Verpackung für 1 kg Mehl.
Pfefferkuchen oder Lebkuchen?
Beide Wörter meinen dasselbe Gebäck; Duden und DWDS führen sie als Synonyme. Welches du hörst, hängt von der Gegend ab. „Pfefferkuchen“ ist vor allem im ostmitteldeutschen Raum gebräuchlich, etwa in Sachsen und Thüringen; im Süden, Westen und Norden Deutschlands überwiegt „Lebkuchen“. Die Hayma-Packung nennt beides: „Pfefferkuchengewürz (Lebkuchengewürz)“.
Und der Pfeffer im Namen? „Pfeffer“ steht darin seit dem Mittelalter als Sammelbegriff für Gewürze. Laut den Leitsätzen für Feine Backwaren (Neufassung 2025) weist der Wortteil nur auf eine kräftige Würzung hin.
Überlieferte Pfefferkuchen-Rezepte aus der DDR
Die drei Rezepte stammen aus der Ausgabe von 1968 des DDR-Kochbuchs Wir kochen gut (Verlag für die Frau, Leipzig) und nennen beim Gewürz und beim Triebmittel keine Marke. Die Mengen folgen dem Buch; die Umrechnung auf Hayma Neunerlei und Hayma Treibkraft haben wir ergänzt, beim Triebmittel nach der Packungsangabe „Ausreichend für 1 kg Mehl“ und nicht nach dem Originalrezept.
Pfeffernüsse
Aus dem Kapitel Weihnachtsgebäck – nach: Wir kochen gut, Verlag für die Frau, Leipzig 1968, S. 200.
Zutaten
- 125 g Kunsthonig oder Sirup
- 65 g Zucker
- 50 g Schweinefett
- 250 g Mehl
- 5 g Pfefferkuchengewürz – das ist ⅓ Tütchen Hayma Neunerlei (15 g je Tütchen laut Packung)
- 8 g Pottasche – statt der Pottasche: ¼ Tütchen Hayma Treibkraft (3,75 g); in unserer Fassung ersetzt sie die Pottasche des Originals; die Menge beruht auf der Packungsangabe (laut Verpackung reicht 1 Tütchen für 1 kg Mehl, hier 250 g Mehl), nicht auf dem Originalrezept
- 1 Esslöffel Rum
- Eiweiß-Zucker-Glasur nach Belieben (das Buch nennt keine Menge)
So geht's
- Erhitze Kunsthonig oder Sirup, Zucker und Schweinefett zusammen und lass die Masse abkühlen.
- Siebe das Mehl mit dem Pfefferkuchengewürz und löse die Pottasche im Rum auf. Nimmst du Hayma Treibkraft, siebst du sie mit Mehl und Gewürz und nimmst den Rum pur. Das ist unsere Annahme: Die Packung nennt nur die Menge, nicht die Art der Zugabe; beim Honigkuchen lässt dasselbe Buch das Backpulver mit dem Mehl sieben.
- Arbeite das Mehl und den Rum mit der aufgelösten Pottasche (oder den puren Rum) unter die abgekühlte Masse.
- Lass den Teig nach Möglichkeit einige Tage ruhen.
- Forme Rollen von knapp 3 cm Durchmesser und schneide davon 1 cm dicke Scheiben ab.
- Backe die Scheiben bei starker Hitze 8 bis 10 Minuten. Das Buch nennt eine Hitzestufe, keine Gradzahl.
- Wenn du magst, überziehst du die Pfeffernüsse noch warm mit Eiweiß-Zucker-Glasur.
Honigkuchen
Im Buch als Platte mit Mandeln und als dünner ausgestochene Variante mit Zuckerglasur – nach: Wir kochen gut, Verlag für die Frau, Leipzig 1968, S. 201.
Zutaten
- 125 g Honig
- 65 g Zucker
- 1 Prise Salz
- 65 g Fett oder Margarine
- 375 g Mehl
- 1 Päckchen Backpulver – statt des Backpulvers: ½ Tütchen Hayma Treibkraft (7,5 g); in unserer Fassung ersetzt sie das Backpulver des Originals; die Menge beruht auf der Packungsangabe (laut Verpackung reicht 1 Tütchen für 1 kg Mehl, hier 375 g Mehl), nicht auf dem Originalrezept. Rechnerisch sind es 0,375 Tütchen (5,6 g); da ¼ Tütchen nach der Packungsangabe rechnerisch nur für 250 g Mehl reicht, runden wir auf ½ Tütchen auf
- 8 g Pfefferkuchengewürz – das ist gut ½ Tütchen Hayma Neunerlei (15 g je Tütchen laut Packung; ½ Tütchen sind 7,5 g)
- 1 großes Ei
- Zuckerwasser zum Bestreichen (das Buch nennt keine Menge)
- Mandelhälften zum Belegen (das Buch nennt keine Menge)
- für die ausgestochene Variante: Zuckerglasur (das Buch nennt keine Menge)
So geht's
- Erhitze Honig, Zucker, Salz und Fett, nimm den Topf vom Herd und lass alles abkühlen.
- Siebe das Mehl mit dem Backpulver und dem Pfefferkuchengewürz. Nimmst du Hayma Treibkraft, siebst du sie an Stelle des Backpulvers mit; auch das ist eine Annahme, denn die Packung sagt zur Art der Zugabe nichts.
- Arbeite das Mehl und das Ei unter die abgekühlte Honigmasse.
- Rolle den Teig zu einer 1 cm dicken Platte aus und bestreiche sie mit Zuckerwasser.
- Markiere rechteckige Stücke und belege jedes mit Mandelhälften.
- Backe die Platte bei Mittelhitze und schneide sie noch warm in die markierten Stücke. Eine Backzeit und eine Gradzahl nennt das Buch nicht.
- Für die Variante rollst du den Teig dünner aus, stichst beliebige Formen aus und überziehst sie nach dem Backen mit Zuckerglasur.
Schokoladenspitzen
Pfefferkuchenecken in Schokoladen-Fett-Glasur – nach: Wir kochen gut, Verlag für die Frau, Leipzig 1968, S. 200, die Glasur S. 203.
Zutaten
- 375 g Sirup oder Kunsthonig
- 500 g Mehl
- 1 Prise Salz
- 1 Teelöffel Pfefferkuchengewürz – abgemessen aus einem Tütchen Hayma Neunerlei (15 g)
- 2 Teelöffel Kakao
- 1 Ei
- 2 Esslöffel Rum oder Weinbrand
- 5 g Hirschhornsalz und 5 g Pottasche – statt beider: ½ Tütchen Hayma Treibkraft (7,5 g); in unserer Fassung ersetzt sie Hirschhornsalz und Pottasche des Originals; die Menge beruht auf der Packungsangabe (laut Verpackung reicht 1 Tütchen für 1 kg Mehl, hier 500 g Mehl), nicht auf dem Originalrezept
Für die Schokoladen-Fett-Glasur (S. 203)
- 150 g Staubzucker (Puderzucker)
- 2 Esslöffel Kakao
- 3 Esslöffel Wasser
- 2 Esslöffel flüssiges Kokosfett (im geprüften Buchausschnitt ist das letzte Wort abgeschnitten; „Kokosfett“ steht in der Wiedergabe auf ddr-rezepte.net)
So geht's
- Erwärme den Sirup und lass ihn wieder abkühlen.
- Siebe das Mehl mit Salz, Pfefferkuchengewürz und Kakao.
- Löse Hirschhornsalz und Pottasche getrennt voneinander im Rum oder Weinbrand auf. Nimmst du Hayma Treibkraft, siebst du sie in Schritt 2 mit dem Mehl und nimmst den Rum oder Weinbrand pur. Das ist unsere Annahme: Die Packung nennt nur die Menge, nicht die Art der Zugabe; beim Honigkuchen lässt dasselbe Buch das Backpulver mit dem Mehl sieben.
- Knete das Mehl, das Ei und die aufgelösten Triebmittel (oder den puren Rum oder Weinbrand) unter den abgekühlten Sirup.
- Forme aus dem Teig Streifen von etwa 3 cm Breite und backe sie bei Mittelhitze. Eine Backzeit und eine Gradzahl nennt das Buch nicht.
- Für die Glasur siebst du Staubzucker und Kakao zusammen, rührst das heiße Wasser unter und danach das flüssige Kokosfett. Diesen Schritt beschreiben wir in eigenen Worten nach der Wiedergabe auf ddr-rezepte.net; ob die Menge für alle Spitzen reicht, sagt das Buch nicht.
- Schneide die Streifen noch frisch in Ecken, spieße jede Ecke auf eine Rouladennadel und tauche sie in die Glasur.
Quellen der Rezepte: Wir kochen gut, Verlag für die Frau, Leipzig, Ausgabe 1968 – Pfeffernüsse und Schokoladenspitzen S. 200, Honigkuchen S. 201, Schokoladen-Fett-Glasur S. 203. Geprüft am Nachdruck „Wir kochen gut. Nach der Ausgabe von 1968“, BuchVerlag für die Frau, Leipzig, ISBN 978-3-89798-329-8, und an der Wiedergabe der Rezepte auf ddr-rezepte.net (Seiten /pfeffernuesse/, /honigkuchen/, /schokoladenspitzen/ und /schokoladen-fett-glasur/; von dort stammt in der Glasur die Angabe „Kokosfett“). Die Angaben zu Hayma Neunerlei (Pfefferkuchengewürz, 15 g je Tütchen) und Hayma Treibkraft (Leb- und Pfefferkuchen-Triebmittel, 15 g je Tütchen, „Ausreichend für 1 kg Mehl“) stammen von den Packungen. Dass Hayma Treibkraft in diesen Rezepten Pottasche, Backpulver und Hirschhornsalz ersetzt, ist unsere Umrechnung und keine Angabe der Packung.
Hayma im Shop
- Hayma Neunerlei Pfefferkuchengewürz, 15 g
- Hayma Treibkraft, 2 × 15 g
- Hayma Pfefferkuchen-Set mit Rezeptbroschüre
Alle drei findest du auch in der Kategorie Herbst & Winter Spezial. Die vollständigen Lebensmittelangaben stehen auf den Produktseiten.
Quellen
- Duden und DWDS, Wörterbucheinträge
- Preußische Allgemeine Zeitung, 08.10.2022
- Lippische Landes-Zeitung, 2021
- Wikipedia, Artikel „Hirschhornsalz“, „Lebkuchengewürz“, „Lebkuchen“ und „Triebmittel“
- Leitsätze für Feine Backwaren, Deutsches Lebensmittelbuch (Neufassung 2025)
- Verbraucherportale: Verbraucherfenster Hessen, VerbraucherService Bayern (2024)
- Verpackungsangaben von Hayma Neunerlei und Hayma Treibkraft